Leseecke (n)

 

 

Im Schatten des

Wildbaches: Argentina

 

 

 

 

 

 

 

 

 

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 Blick zum Monte Saccarello

 

 

 

 

 

 

 Flussbaden in der kühlen Argentina

 

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 Jeder schöne Tag geht auch zu Ende

 

 

 

 

 

 La Luna ruft zur Abendruh'

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 Fisch noch auf den Abendbrottisch

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

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Ele und sein bester Freund Piero

 

 

 

 

 

 

 WacholderWacholder

 

 

 

 

Großvater und seine geliebte APE

 APEAPE

 

 

 

Altes Handwerk

Körbe aus Kastanienholz

 

 

Il NonnoIl Nonno

 

 

 

 

 

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Terrassen

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 TrockenmauernTrockenmauern


  

 

 

 

- siccatoio -

Trockenhäuschen für Rohkastanien

 

il essicatoio il essicatoio

 

 

 

 

 

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RinuciaRinucia

 

 

 

          

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MaroniMaroni

 

 

 

 

 La Mamma e Ele

della cucina

 

Mamma in der KücheMamma in der Küche

 

 

 

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  Frische Eier

 Die Hennen: I gallineDie Hennen: I galline

 

 

 

 

 

 Calendula

 

 

RingelblumenRingelblumen 

 

 

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Leseproben aus:

Juliette  Fortuna -

 

Ich wünsche gute Unterhaltung!

 

 

 

 

 

,Juliette Fortuna

( Juliette – französischer Herkunft:  Schülijett (: )

Kinderbuch: für ca. 8-12 Jahre

Ort: Italien/Ligurien

Mit eingefügten italienischen, leicht verständlichen Sätzen, Übersetzung und Erläuterungen im Anhang.

Erzählt vom Leben einer Familie  (Olivenbauern) in den Bergen der ligurischen Alpen, den Naturschönheiten und alten Sitten und Bräuchen. Eingebunden von der Legende über die feenhafte,  Juliette, von einem abenteuerlichen Ausflug und einer engen Freunschaft zweier Jungen im Alter von 11 Jahren.                                                                            

                                                                                       ♦

Emanuele und Piero haben Allerlei Unsinn im Kopf!

An Ideen fehlt es den beiden Freunden dabei  selten. Sie sind lebensfrohe Jungen, die sich gerade zwischen den Kinderschuhen und dem Erwachsenwerden ertappen. Sehnsüchte und Wünsche stellen immer wieder neue Herausforderungen dar, die Fragen aufwerfen und zu ungewöhnlichen Lösungen tendieren, diese besonders Emanuele (Ele) in verzwickte und peinliche Situationen bringen.

Trotz unterschiedlicher familiärer Situationen, ergänzen sich die zwei Freunde fabelhaft: oder gerade deshalb!

Das Familienleben ist das einer typischen Großfamilie, wobei der Großvater einen unentbehrlichen Platz für den Elfjährigen einnimmt und sie beide auf eine ganz besondere, liebevolle Weise verbindet.

Altes handwerkliches Können und Produktionsweisen, wie die Herstellung von Bienenhonig, Kräuteressenzen, festliche Zusammenkünfte von Bewohnern, die mit großer Neugier am ‚Neuen’ hitzig debattieren und ganz alltägliche Rituale, lassen den Leser am Leben der quirligen Bergbauernfamilie teilhaben.  

Marco, der große Bruder lebt und arbeitet schon einige Jahre im Piemont und kommt endlich wieder zu Besuch Nachhause.

Er versucht auf seine brüderliche, oft ungelenke Weise, Ele den Weg zu wichtigen Lebensfragen zu ebnen und führt ihn aus seinen kindlichen Ansichten über eine Brücke zu neuen Perspektiven. Bei einem gemeinsamen Ausflug in die höher gelegene Region geraten beide in eine gefährliche und mysteriöse Situation, die sie kräftemäßig völlig überfordert und sie über diese Unachtsamkeit zum Nachdenken zwingt und die vorangegangenen Zweifel, die Ele zwischenzeitlich an seinen Bruder hegte, ausräumen, was ihre Geschwisterliebe noch enger zusammenschweißt.

Die  Erzählkunst der geheimnisvollen Alten lassen sie für eine kurze Zeit in eine Welt der Mythen und historischen Zeitspanne gleiten, die sie in ihren Bann ziehen.

Sie betrachten das Mystische als Bereicherung und lassen es unbeschwert in ihr Leben einfließen. Dadurch wurde ihnen umso mehr bewusst, dass durch die Veränderungen in Familie und Gesellschaft ein stetiger Wandel stattfindet und die Werte der Vergangenheit immer auch Werte der Gegenwart sind und in Zukunft weiterhin Bestand haben müssen. Natur lässt sich nicht bezwingen, sie fordert Respekt von jedem Einzelnen. Dessen sich auch Pietro und Ele eng verbunden fühlen ... und ihre Freundschaft für sie etwas ganz Besonderes ist, was sie niemals missen möchten ...

Juliette Fortuna

1.Kapitel: Der rätselhafte Schatten

Emanuele hüpfte von einem Bein auf das andere und massierte sich die schmerzenden Finger. „ Selber Schuld Ele,“ lachte Piero, „hättest du die Maroni liegen gelassen, selber Schuld, selber Schuld!“

„Hör endlich auf mit deinem ‚selber Schuld’ du ... ich bin doch nicht blöd oder denkst du ich will wieder Ärger riskieren, wie am letzten Mal, he?!“

„Ach was Ele, du hast immer nur Angst!"

„ Ich habe keine Angst, ich habe keine Lust auf ...“ Piero gab nicht auf, er hänselte immer weiter und gab keine Ruhe. Doch plötzlich wurde er stiller und flüsterte nur noch: „Wir dürfen uns nur nicht erwischen lassen.“ Dabei rollte er auffallend seine dunklen Augen und starrte horchend in die Leere, drückte steif seinen Zeigefinger auf die spitzen Lippen und verharrte in äußerster Angspannung. „Ich will …“ , wollte Emanuele gerade erwidern, doch da bemerkte auch er, dass sich ein Schatten auf dem hängenden Bettlaken abbildete. Misstrauisch blickten beide auf das Wäschestück. Der Schatten rührte sich nicht vom Fleck. Wer war das, was soll das? Wurden wir etwa belauscht? Hmmm, na das wäre eine schöne Bescherung, dachte Ele. Auch Pieros Lippen nahmen wieder normale Formen an und dem sonst so abenteuerlustigen Piero war es nun doch etwas unheimlich! Schweigend beobachteten sie die schwarze Gestalt hinter dem Laken. Der Körper bewegte sich kaum, aber die Umrisse eines Menschen waren ohne Zweifel erkennbar. Sie standen immer noch wie angewurzelt auf der Stelle. Endlich drehte sich die mysteriöse Gestalt zur Seite und das Abbild eines langen Zopfes wurde sichtbar. „Ahhhhh, das könnte ... ich glaube ... ich weiß wer das ist, "flüsterte Piero und schnitt seine Lieblingsfratze, dem ein lautes Schnallzen der Zunge folgte.  Doch plötzlich fuhr ein heftiger Windstoß in die volle Breitseite des Lakens und die Schattengestalt verschwand im Geflatter des weißen Tuches. Der Stoff wickelte sich der Länge nach um den stöhnenden Körper und ein Strampeln und Kreischen verriet, dass es ein Mädchen sein musste, denn kein Junge würde jemals so ein Gezeter veranstalten, darin waren sie sich einig. Nein, niemals!

„Was haben wir denn daaa? Was zappelt denn hier so wild ... woll’n doch mal sehen ... und den großen Octopus befreien!“, jubilierte Piero. „ Komm Ele pack das Monster, schnapp es dir, schnell ... und dann ab mit dem Riesenkraken in die Wassertonne da drüben. Los Ele, avantiiiii!“

„Auu verflixt, meine Hand, auuui!"

„ Mann Ele, du jammerst mehr als dieses Krakentier hier in der Gefangenschaft!“

 „ Ach, du hast ja keine Ahnung, wie weh das tut! Bendige du doch den Wildfang und ich packe es lieber an den Schultern, lass uns Tauschen Piero, schnapp dir die Tantarkel!“, hechelte Ele. Sein Freund Piero war ganz in seinem Element und triumphierte schon wieder lauthals: „Das ist ein Prachtfund ... ein Exemplar der Sonderklasse ... fantastico ... na klar, es will schwimmen dieses kleine Monstertier,“ krakelte er, „ Das wird ein Fest, DAS Wassertonnenfest, DAS Rie-sen-kra-ken-kracherfest!  Attenzione ! Aufstellung zum Wechseln der feindlichen Stellung! – avanti,  uno … due...  tre …“

Doch gerade als der Wechsel stattfinden sollte, stieß die Tür des caselle, einem winzig kleinen Steinhäuschens auf und kreischend stürzte Clelia auf sie zu. „Wollt ihr wohl, ihr Lausbuben, ihr lumpiges Lumpen ... sindel ihr …  Ich mach euch Beine, na wartet!“ Ele und Piero ließen vor Schreck ihren Fang fallen und stönend plumpste dieser auf Clelias Radicchiobeet!

„Ich kenne euch, alle beide, wartet nur ... ihr fagabuti... ihr ... entkommt mir nicht! So eine Schweinebande. Ich kriege euch, iiiihr!“

Emanuele und Piero rannten was die Beine hergaben und erst als sie sich sicher waren, dass Clelia sie nicht mehr sehen konnte, ließen sie sich unter einen alten Olivenbaum fallen. Die Luft war knapp und sie atmeten beide schwer und brauchten eine ganze Weile, bis sie sich von dem Schreck erholt hatten. „ Puh, Glück gehabt Piero," keuchte Ele, "hätte dumm ausgehen können!“ „Für wem Ele, für den Kraken oder was meinst du? Der oder besser gesagt ‚sie’ hat doch Glück gehabt!“

„Wir aber auch,“ keuchte Ele Ele weiter, „ wir hätten fast mit der Bohnenstange Bekanntschaft gemacht, glaub mir, Clelia hätte die uns kräftig spüren lassen. Hast du gesehen, wie sie damit herumfuchtelte, die hätte gesessen!“

„Aber nur bei dir," antwortete Piero,  " ich hätte sie ausgetrickst, meine Stunden vom Boxtraining hätten mich gerettet, die hätte mich nicht erwischt!“, er sprang auf, trippelte wie aufgezogen auf der Stelle, kickte kampfeslustig kurze Haken in die Luft und ließ sich der Länge lang unter den Olivenbaum fallen. „ Wieso bist du dir immer so sicher Piero, ich wette ...“ „Ach komm Ele, hör auf und sage mir lieber, wer das Krakenmonster war?“, er verschränkte seine Arme unterm Kopf, kniff zischend die Augen zusammen und wartete auf eine Antwort.  

„Hmmm ... weiß nicht, aber es könnte Fulvia gewesen sein, die komische Nichte vom bärtigen Ziegenbauern,“ meinte Ele mit zweifelnder Gebärde. „ Obwohl sie immer nur in den Ferien hier hoch kommt,“ fuhr er fort, „ und hat noch nie mit Jemandem gesprochen, ich jedenfalls, habe sie noch nie reden gehört, die ist wirklich seltsam ... richtig zickig!“

„Na ja,“ erwiderte Piero, „ich denke, als eine Verwandte vom Ziegenbart, da fällt einem auch nichts groß zum Reden ein, der ist doch selbst so ein putziger Sonderling. Er spricht auch mit Niemandem, außer mit seinen Ziegen. Mä-äck ... Mööö ...“  Rollte sich blitzschnell einmal um seine eigene Achse und fügte verschmitzt hinzu: „ Er kann vielleicht nur Ziegisch? “, und lachte schallend auf!

„Was, wenn sie uns schon länger belauschte und unser Gespräch mitbekommen hat?“, fragte Ele nachdenklich. „ Nooo, dann hätten wir sie doch schon längst bemerken müssen,“ antwortete Piero, „und wo bitteschön sollte sie sich versteckt haben, im caselle etwa? Da war Clelia und das Wohnhaus ist viel zu weit weg um ein Gespräch zu belauschen und vor allem, es zu verstehen und weit und breit war außer dem Bettlaken gar keine andere Möglichkeit.“

„Hmmm, wahrscheinlich hast du Recht Piero, sie hat nichts mitbekommen,“ was Ele beruhigte. Er blickte auf seine Armbanduhr und erschrak. „ Oh, ist das schon spät! Weißt du was Piero, ich muss jetzt  schnellstens nach Hause. Mein Bruder kommt heute aus dem Piemont und ich möchte unbedingt da sein, wenn er ankommt. Wir haben uns viel zu erzählen. Ich freue mich schon die ganze Woche auf ihn. Also, lass uns verschwinden!“

„Gut Ele, wann treffen wir uns wieder?“, wollte sein Freund wissen „Marco bleibt nur für ein Paar Tage hier und ich melde mich, sobald er wieder abgereist ist. Mit unseren Klopfzeichen ... dreimal durch die Röhre ... du weißt schon, wie immer ... töfftöff jiupp!“ Ohne sich nochmals umzudrehen, eilte er mit großen Sprüngen zur Lichtung und verschwand schließlich hinter den alten Korkeichen.

Piero schlenderte langsam durch den Olivenhain und sah plötzlich unterhalb des Hanges den Ziegenhirt mit seiner Herde. Der saß zusammengehockt, mit seinem spitzen Filzhut auf einen Baumstumpf, nahe seiner Brigascaziegen, aber von seinem Feriengast, war weit und breit nichts zu sehen. Sollte es doch nicht diese Fulvia gewesen sein?

Er überlegte nicht lange und preschte den holprigen Eselspfad zum Tal hinunter.

                                                                               ♦

2. Kapitel 

Es waren die prächtigen Olivenbäume, die ihre kleinen, aromatischen Früchte zu einem ganz besonderen Öl lieferten. Goldgelb in seiner Farbe und unverzichtbar für die Zubereitung vieler Speisen. Frische Salate und die wunderbaren Gemüsesorten erhielten durch dieses Öl einen unverwechselbaren Geschmack. Brotteig, Pasta und Foccacio, die ähnlich wie eine Pizza zubereitet wird, benötigen dieses Öl. Süßspeisen werden zu wahren Gaumenfreuden und hier entstand auch das weltbekannte Pesto, was mit dem Öl, den Pinienkernen, Parmiggiano und frischen Blättern des Basilikum, zu Pastagerichten gereicht wird. Sogar schmerzende Glieder werden mit dem Öl eingerieben und finden bald danach Linderung. Aus den Blättern werden Tees zubereitet und helfen gegen viele Beschwerden, Seifen werden hergestellt und in vielen anderen Bereichen war und ist es nicht wegzudenken!

Diese Bäume konnten sehr, sehr alt werden, weit über hundert Jahre. Der älteste Olivenbaum Liguriens war über 800 Jahre alt geworden und stand auf dem Capo Nero, dem ‚Schwarzen Kap’ kurz vor San Remo. Eine Legende erzählt, dass bevor der Leuchtturm errichtet wurde, war er schon so groß, dass er den Seefahrern als Orientierung diente, um sicher in den Hafen einzulaufen.

 

Diese wunderschönen Olivenbäume flimmerten in ihrem mattgrünen Silberkleid an den Hängen des Argentinatals. Auf schmalen Terrassen, die sich wie Stufen steil den Hang hinauf staffeln, sind sie durch kunstvolle Trockenmauern abgetrennt und vor allem abgestützt.  Umspannt mit zarten Fangnetzen, die wie Schleier um die knorrigen Stämme und zwischen den Astgabeln ruhen, die bis zur Erntezeit wartend die Bäume umschlingen. Dann endlich werden die Netze herunter genommen und weit auf den Boden ausgebreitet. Mit langen Kastanienstangen schlagen die Ölbauern und deren Erntehelfer die Früchte aus den Kronen, um in die zarten Fänge der Netze zu purzeln. Die Bäume können ihre Farben wie Chamäleons wechseln. Bei bestimmtem Lichteinfall von schneehell über sämtliche Grünschattierungen, bis zu einem Blau, sogar nachtschwarz können sie gegen den strahlenden Himmel erscheinen. Es sind wahre Verwandlungskünstler, die im Licht der Sonne und zu unterschiedlichen Tageszeiten faszinierende Farbspiele zaubern. 

Die Bewohner dieser Gegend sind stolz auf  ihre Ölbäume und deshalb wurde auch die Strasse, die sich längs des Tales an dem Wildbach der ‚Argentina’ entlang schlängelte und heute noch existiert: Strada dell’ Olio – Strasse des Öls benannt.

Viele Orte entlang des Tals, bis zu den Füßen des Monte Fronte und dem höchsten Berg Liguriens, dem Monte Saccarallo, wo am Ende des Tals vom kleinen Örtchen Verdeggia keine Straße mehr weiterführt und nur zu Fuß und mit Eseln über die mächtigen Berggipfel gegangen werden kann und bis zum Meer, nach Arma di Taggia, wo sich dann der Fluss in das Blau des Mittelmeeres verliert, gab es viele Ölmühlen. Der Ort Molini di Triora verdankte seinen Namen dieser einst 23 Ölmühlen, die durch Wasserkraft des Flusses diese kleinen Steinfrüchte zu dem begehrten, flüssigen Gold – dem Olivenöl mahlten.

Hier lebten schon sehr lange, viele Generationen der Familie von Emanuele. Er kannte viele Geschichten und viele Gewohnheiten aus früheren Zeiten aus Erzählungen. Er wusste, dass es oft beschwerlich war und viele Einschränkungen das Leben hier oben bestimmten. Aber er war glücklich hier und er liebte seine Familie, seine Freunde, die Berge und deren Geheimnisse.

 

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3. Kapitel

Wackelpudding – ‚budino’

Aus: Juliette Fortuna

Kurz vor seinem Haus angekommen, kam ihm ein wunderbarer Duft entgegen. Er wusste, dass Mamma schon seit Tagen in der Küche Vorbereitungen traf. Sie wollte Marco all’ seine Lieblingsspeisen auf den Tisch bringen und heute roch es herrlich nach torta verde. Die Tür ging auf und die Mutter rief ihm schon entgegen: „Emanuele, endlich, wo warst du denn so lange? Schnell schau’ nach, ob die Hühner noch zwei, drei Eier für Marco gelegt haben.“ Ohne ein Wort drehte sich Ele auf dem Absatz um und ging schnurstracks in den Hühnerstall. Ein Ei lag gleich am Eingang, fast wäre er drauf getreten. Dann suchte er alle Verstecke der Hennen ab, aber sie schienen wohl nichts für den Empfang für Marco beitragen zu wollen. „ He, ihr faulen Flatterfrauen, wo habt ihr eure Ware versteckt, heraus mit der Sprache, wo sind die weißen Kullermänner?“ „Doookokokooooook!“, ein Gegacker ohne Ende schreckte Ele aus seinem Dialog! Das Huhn war sichtlich erschrocken, mindestens so sehr wie Ele, der es trotz seiner Flatterkünste mit einer Hand packte und festhielt. Blickte ihm starr in die Augen und sprach: „ He, Berta- Luise, ich will jetzt ein Ei, genauer gesagt‚ zwei! Aber ein bisschen fix, capisci? Ich lass dich jetzt los und zähle bis tre und dann will ich etwas sehen, hast du verstanden? Strenge dich bitteschön an!“ Er ließ Berta - Luise los und sie flüchtete wie vom Fuchs verfolgt in Richtung Weinbehälter. Drehte sich kurz um und gackerte aufgeregt in höchsten Tönen – und Ele konnte es nicht fassen, sie legte tatsächlich ein Ei! Gleich neben den ausgedienten Jagdstiefeln von Papa Luigi, flatterte und tänzelte sie doksend in’s Freie! Ele hob das warme Ei auf und rief: „Danke für die Eilsendung, huiiiiaei, hier gab's ein Ei!“

Er verließ auf dem gleichen Wege wie Berta – Luise den Stall und stolperte fast über ein Nest, in dem nochmals zwei Eier lagen. Nahm den alten Hut vom Großvater und verstaute seinen Fund in den abgewetzten Filz.

Schnell lief er zurück ins Haus und die Mutter  schlug eilig drei Eier auf ...